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Sprachschule, Bournemouth, England

Lina Sanders

Während meiner Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation, die ich bei der Scholz & Friends NeuMarkt GmbH absolviert habe, bot sich mir eine tolle Chance.

Die Agentur für Arbeit und Leben aus Hamburg stellte das Leonardo da Vinci Stipendium in einer 6. Stunde in der Aula der Beruflichen Schule für Büro- und Personalmanagement vor. Genauer gesagt stellte Eva Eisenmenger es vor, in Begleitung zweier Schülerinnen, die schon einmal mit dem Stipendium im Ausland waren.

Ich war eigentlich nur aus vagem Interesse zu der Veranstaltung gegangen, unter anderem auch um dem Wirtschaftslehre-Unterricht für 45 Minuten zu entfliehen. Doch die Präsentation fesselte mich, und die Idee für ein Praktikum ins Ausland zu gehen setzte sich in den folgenden Tagen immer mehr in meinem Kopf fest.

Nach zwei Wochen ernsthafter Überlegung beschloss ich, das Projekt „Leonardo da Vinci“ anzugehen. Zuerst gab es natürlich die Frage der finanziellen Mittel, denn auch mit Stipendium fielen Reisekosten und Taschengeld für den Aufenthalt an. Mit ein wenig elterlicher Unterstützung und eigenem Gehalt war das Thema dann aber abgeschlossen. Mein Betrieb war zu meiner Erleichterung begeistert von der Idee und stellte mich sogar für die gesamte Zeit frei.

Die Bewerbung um das Stipendium selbst war, sobald man alle Unterlagen und Formulare kannte, nicht mehr allzu schwierig: Den europäischen Lebenslauf ausfüllen, ein Motivationsschreiben in der Sprache des Wunschlandes oder Englisch verfassen und für den Zeitraum des Aufenthalts eine Freistellung des Betriebes einholen.

Die E-Mail, mit allen erforderlichen Unterlagen im Anhang, schickte ich nervös ab. Dann kam einige Wochen später die Erlösung: Ich würde vom 11. bis 31. März 2012 in Bournemouth sein. Geschafft!

Ich bekam schnell die Kontakte meiner zwei Mitreisenden der Berufsschule. Wir machten uns früh (etwa vier Monate vorher) daran, unsere Reise zu buchen, um die günstigsten Flug- und Bahntickets zu bekommen. Bei einem Vorbereitungsseminar der Agentur für Arbeit und Leben lernten wir weitere junge Menschen mit anderem beruflichen Hintergrund kennen, die zwar nicht mit uns nach England, aber auch mit dem Leonardo-da-Vinci-Stipendium ins Ausland fahren würden. Wir alle waren unglaublich aufgeregt!

Nach langem Warten ging es dann schließlich am 10. März los: Mit gepackten Koffern und hohen Erwartungen trafen wir früh morgens am Hamburger Flughafen für unseren Flug nach London Gatwick ein. Von dort aus würden wir mit der Bahn weiter nach Bournemouth fahren. Den Eltern und Freunden „Tschüss“ gesagt, befanden wir uns im Flieger. Wieder gelandet hatten wir nach einiger Orientierung bald den richtigen Zug gefunden, und schon hatte das Abenteuer „Bournemouth“ begonnen.

Nach knapp drei Stunden erreichten wir Bournemouth und wurden von einem Mitarbeiter der Sprachschule empfangen. Er brachte uns zuerst zur Sprachschule, wo wir neben Bustickets weitere Unterlagen zur Sprachschule bekamen. Im Anschluss ging es mit Kribbeln im Bauch zu unseren Gastfamilien.

In meinem Zimmer im Dachgeschoss gab es einen Kleiderschrank, einen kleinen Schreibtisch und zwei Betten. Ich bevorzugte das Bett unter dem Fenster, aus dem man morgens von der aufgehenden Sonne geweckt wurde und in der weiten Ferne das Meer sah. Mit meinen Gasteltern und –Geschwistern habe ich mich auf Anhieb gut verstanden. Sheralee hat reichlich für eigene und Gastkinder leckeres Dinner gekocht, mit Dan (Daniel) meinem Gastbruder habe ich sogar abends mal eine DVD geschaut (natürlich auf Englisch!).

Die erste Woche waren wir in der Sprachschule und hatten Sprachunterricht. Am Montag wurden wir, mit allen anderen neuen Schülern, mithilfe eines kleinen Tests eingestuft und dementsprechend den Kursen zugeteilt. Der Start in der Sprachschule war somit perfekt, denn in der ersten Woche hatten wir Zeit, uns an die Sprache zu gewöhnen und viele neue Leute aus aller Welt kennen zu lernen. Nebenbei haben wir den Ablauf in der Schule kennen gelernt, der meiner Mitreisenden und mir sehr hilfreich sein würde.

In unserer zweiten Woche fingen wir zwei unsere Arbeitsphase in der Sprachschule an. Dies war eigentlich eine Notlösung gewesen, da die Agentur für Arbeit und Leben für uns zwei keine Firma in Bournemouth gefunden hatte, die uns aufnehmen konnte. Für unseren dritten Mitreisenden hatte sich eine Firma gefunden. Aus der Notlösung wurde für mich aber eine sehr spannende Zeit.

Die Firma, in der ich meine Ausbildung absolviert habe, ist eine Werbeagentur. Dementsprechend hatte der Geschäftsführer den Wunsch geäußert, dass ich in einem Bereich eingesetzt werde, der meinem Hintergrund nahe ist. Somit durfte ich meine zwei Wochen in der Marketingabteilung der Sprachschule absolvieren.

Es gab für mich viel zu Lernen: Wer bekam einen Newsletter? Wie wurden Newsletter-Sendungen ausgewertet? Wie wurden der Prospekt und das Informations-Booklet erstellt und bearbeitet? Welche Konkurrenten gab es im Umfeld? Auch konnte ich einige Recherchen über mögliche Partnerschaften mit deutschen Sprachschulen anstellen und Geschäftsreisen planen, was ich auch bei Scholz & Friends NeuMarkt oft tat. Die zwei Angestellten der Marketing-Abteilungen haben mir viel erklärt und mich unterstützt.

Für mich am interessantesten war aber die allgemeine Arbeitsmoral und Struktur der Arbeit. Beeindruckt hat mich, dass das Arbeiten in Deutschland doch wesentlich strenger strukturiert und geplant ist. Das kann man einfach erläutern: Für die Aussendung des Newsletters gab es keinen festen Rhythmus, und im Büro hing auch kein Kalender mit festen wöchentlichen oder monatlichen Terminen. Die Arbeit hat also nur auf Basis der Absprache funktioniert. Für mich ist ein Arbeiten ohne Kalender gar nicht vorstellbar!

Außerdem hat mich auch fasziniert, dass beide Mitarbeiter eigentlich keine Erfahrung im Marketing haben. Sie haben weder etwas in Richtung Marketing studiert noch bei einer anderen Firma Erfahrungen gesammelt, im Grunde erarbeiten sie sich ihr Wissen also selbst.

Meine schönste Erinnerung an die drei Wochen ist ein Tagesausflug zur Durdle Door. Dieser wunderschöne Fleck Erde wird mir immer in Erinnerung bleiben. Auch der letzte Tag, den ich mit meiner Mitreisenden und Freunden aus der Sprachschule am Strand verbracht habe (in Bournemouth ist es wegen des Golfstroms auch Ende März schon sehr warm mit 23 ° C) bleibt eine tolle Erinnerung.

Ich bin durch die Reise zu einem Teil über mich hinausgewachsen, habe interessante Menschen kennengelernt und möchte die gewonnene Erfahrung nicht mehr missen. Weder für meinen Lebenslauf noch für meine Lebenserfahrung!