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Intercontinental-Hotel, London

Katharina Duensing

„Wenn jemand Londons überdrüssig ist, ist er des Lebens überdrüssig; denn in London hat man alles, was das Leben bieten kann.“

So, oder so ähnlich jedenfalls, lautet die berühmte und vielzitierte Aussage des englischen Gelehrten Samuel Johnson. Mit diesem Gedanken und unter dem Motto „der Groß- und Weltstadt auf der Spur“, ging die dreiwöchige Reise dann am 25. Mai 2013 los. Tatsächlich habe ich keine großen Erwartungen gehegt und habe unvoreingenommen, gespannt und mit voller Vorfreude das Flugzeug  betreten. Sozusagen ging es innerhalb von kürzester Zeit von einer Großstadt, meine derzeitige Wahlheimat Hamburg, in die nächste Großstadt, in die Weltmetropole London. Und hat Hamburg nicht eigentlich auch schon alles, was das Leben bieten kann? Denn nicht umsonst verfügt die Stadt im hohen Norden Deutschlands seit jeher über den Beinamen „Tor zur Welt“.

Hamburg ist definitiv einzigartig und somit nicht vergleichbar mit einer Stadt wie London, die mit einer Einwohnerzahl von über 8 Millionen glänzen kann. Es herrscht entsprechend viel Trubel und Hektik auf den Straßen von London.

Erwartet hat mich zunächst eine kleine Gastfamilie, bestehend aus Mutter und Tochter, die mich herzlich aufgenommen haben. Das erste Gefühl, um mich in einer fremden Umgebung wohl zu fühlen, stimmte also. Obwohl ich nicht im zentralsten Stadtteil Londons wohnte, sondern in Harrow, bot mir das gut ausgebaute Verkehrsnetz, insbesondere die sogenannte tube, die Möglichkeit die Stadt zu erkunden (bemerkenswert hoch ist leider auch der Preis für die Fahrkarte..). Natürlich zähle auch ich mich zu den berühmt-berüchtigten Touristen, die die typischen Sehenswürdigkeiten wie Westminster Abbey, Tower Bridge, Piccadilly Circus, Hyde Park und einiges mehr abklapperte, bestmöglich natürlich zu Fuß oder aber entspannt vorne im roten Doppeldeckerbus-sitzend – so behält man wenigstens stets den Überblick!

Empfehlenswert sind allerdings insbesondere die vielen Märkte, auf denen es nicht nur Köstlichkeiten zu essen und trinken gibt, sondern ebenso zum Beispiel Klamotten, entweder selbst designed oder im derzeit angesagten Second-Hand-Style. Durch eine stetige Reizüberflutung und durch permanente Entscheidungsunentschlossenheit, habe ich es leider nur geschafft, mir frisch gepresste Säfte auf den Märkten zu kaufen. Ach, und fast vergessen, ein schön verzierter und auch gut schmeckender Cupcake sollte dabei natürlich nicht fehlen.

Zwei Tage nach Ankunft ging dann also auch das Praktikum los, der Grund, weshalb ich überhaupt erst diese wahnsinnig multikulturelle, schöne und spannende Stadt erleben durfte. Das Praktikum im Rahmen des Leonardo Da Vinci Programms habe ich in einem 5-Sterne Hotel, dem Intercontinental-Hotel, absolviert. Zwar entspricht das zum einen nicht ganz meinem hiesigen Arbeitsbereich und zum anderen auch nicht meinen Vorstellungen von einer perfekten Urlaubsunterkunft. Eine kleine Herausforderung stellte dann natürlich im Vorfeld auch schon die entsprechende Arbeitskleidung dar. So musste ich also erstmal noch schwarze Hosen kaufen, die natürlich keine Jeans sein durften. Aber auch diese Hürde habe ich genommen, sodass ich schon sehr gespannt dem ersten Arbeitstag in diesem luxuriösen Umfeld entgegen fieberte. Ich verbrachte also drei Wochen in der Personalabteilung, die leider wider Erwarten im Keller lokalisiert war und nicht wie (hoffnungsvoll) angenommen im obersten Stock mit Blick über den Hyde Park.

 

Die Personalabteilung bestand aus insgesamt sechs Mitarbeiterinnen, die allesamt sehr hilfsbereit waren. Gewöhnungsbedürftig war also nicht nur, dass sich das Büro im Keller, natürlich ohne jegliches Tageslicht, befand, sondern noch dazu, dass die Räumlichkeiten insgesamt sehr klein und entsprechend eng waren. Aber auch daran kann man sich schnell gewöhnen.

 

Aufgrund der knapp bemessenen Zeit, die das Praktikum zur Verfügung stellt, und nicht zuletzt wahrscheinlich auch wegen der bestehenden Englisch-Sprachdefizite, habe ich eher einfach Aufgaben erledigt. Allerdings war es sehr angenehm, dass es keine aufkommenden Leerlaufzeiten gab, sondern dass zu jederzeit Fleißaufgaben zum Abarbeiten da waren. Zu den typischen Aufgaben gehörten zum Beispiel das Anlegen von Papier-Personalakten, das Umschreiben von circa 400 Verträgen oder das Erfassen von unterschiedlichsten Daten in Exceltabellen. Besonders spannend waren zwei Tage, an denen ich, zusammen mit einer Praktikantin aus den USA, an einem Seminar bzw. Schulung teilnehmen durfte. Dieses Seminar muss jeder neue Mitarbeiter durchlaufen, um das Hotel und die vorherrschende Firmenphilosophie kennenzulernen. Für mich ergab sich so unter anderem die Möglichkeit, auch mal dem Keller zu entweichen und das Hotel aus Gäste-Perspektive zu erkunden. Und ja, ein 5-Sterne-Hotel hat schon einen gewissen Reiz.

 

Persönlich hat mich speziell die dortige angenehme Arbeitsatmosphäre bereichert. Es wirkt wesentlich entspannter und freundlicher. Sobald sich zwei oder mehrere Leute auf dem Flur begegnen, begrüßt man sich und ignoriert sich nicht. Klar, eventuell ein Zeichen für eine gewisse Oberflächlichkeit, aber ebenso für ein respektvolles Miteinander.

 

Jedem, der die Möglichkeit hat, ein solches Praktikum zu absolvieren, möchte ich ans Herz legen, dies zu tun. Solch eine Reise in ein fremdes Land lohnt sich und ist stets und in jederlei Hinsicht eine Erfahrung wert!

 

…und ob London nun alles hat, was das Leben bieten kann, wage ich dennoch zu bezweifeln, denn das Leben hat gewiss noch so viel mehr zu bieten…

 

 

P.S:

Bei Fragen stehe ich gerne unter Kathaa.1988@googlemail.com zur Verfügung.