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Auslandspraktikum in Irland, Cork

Franziska Hanke

Die Wahl für den Ort meines Auslandspraktikums fiel mir nicht schwer: Da mein Unternehmen „Kelly Services“ international tätig ist, war es mir möglich, die wunderschöne „grüne Insel“ Irland kennenzulernen. So verbrachte ich die ersten drei Juliwochen 2013 in Cork, im Süden Irlands.

Am ersten Tag wurde ich mehr als freundlich empfangen und direkt ins Team integriert. Ich betreute am Empfang die Bewerber und Interview-Kandidaten, erklärte Bewerbungsbögen, pflegte am Computer das Bewerbermanagement und begleitete einige Kandidaten mit in die Interviews.

Mir fiel direkt der Unterschied zu Deutschland auf: Stress? Zeitdruck? Eile? – unbekannte Wörter in der irischen Arbeitswelt. Es wird zwar davon geredet, dass unglaublich viel zu tun ist, jedoch wird sich zunächst um die ausreichende Versorgung der Kollegen mit Tee und Toast gekümmert. Iren haben wirklich in jeder Situation, sei es im Berufs- oder im Privatleben, die Ruhe weg.

In der zweiten Woche durfte ich sogar ganz alleine die Teamassistentin am Empfang vertreten, da diese im Urlaub war. Ich betreute nach wie vor die Kandidaten, bearbeitete zusätzlich die Inbox in Outlook mit den eingehenden Bewerbungen und allgemeinen Anliegen und stellte kontinuierlich Bewerbungsunterlagen für die neuen Kandidaten zusammen. Die wohl beste, aber auch gleichzeitig angsteinflößendste, Aufgabe war der Telefondienst, den meine Vertretungsposition mit sich brachte. Eingeborene Iren (im schlimmsten Fall sogar Dubliner) am Telefon zu verstehen, ist eine Kunst für sich. Durch diese „Zwangsherausforderung“, für die ich meinen Kollegen anfangs etwas böse war, verbesserte sich mein Englisch jedoch enorm. Mittlerweile bin ich sehr dankbar für diese tolle Chance. Ich habe nämlich nun keine Angst mehr, hier in Deutschland an das Telefon zu gehen, wenn ich eine ausländische Vorwahl sehe

Ich habe aber selbstverständlich mehr als die Sprache mit nach Hause genommen: Es war wahnsinnig interessant zu sehen, wie die Iren leben. Wenn man von den völlig überteuerten Preisen für alles, was man zum Leben braucht, absieht, ist in Irland eigentlich fast alles besser als in Deutschland. Der Umgang miteinander ist so übermäßig freundlich und respektvoll, dass ich jeden Tag aufs Neue verblüfft war. Für alles wird sich 1000 Mal bedankt oder entschuldigt. Rempelt man aus Versehen jemanden mit dem Ellenbogen an, entschuldigt sich der Angerempelte dafür, dass er im Weg stand. – Unvorstellbar bei uns!

Sehr beeindruckend war auch das Benutzen der Busse. Es gab kein Gedrängel und keinen Menschenklumpen, der gesammelt versucht, sich durch die Tür zu schieben – wie bei uns in Deutschland zu beobachten. Zivilisierter als jedes andere Volk, das ich zuvor erlebt habe, bildete sich automatisch ca. eine viertel Stunde bevor der Bus kam, eine Einer-Reihe an der Bushaltestelle. Kamen ältere oder behinderte Menschen, wurden diese total selbstverständlich nach vorne „durchgereicht“, damit diese auf jeden Fall einen Sitzplatz bekommen. Es war ein unfassbar schönes Gefühl, zu sehen, wie sich die Menschen dort begegnen. Wirklich beneidenswert.

Entgegen aller Erwartungen hat es übrigens nicht an einem einzigen Tag geregnet. Ich fühlte mich bei knapp 30 °C viel mehr als wäre ich in Spanien. Vorurteile, Sprachbarrieren und Unsicherheit waren innerhalb von nur drei Wochen wie weggeblasen, sodass ich es im Nachhinein für eine bereichernde Zeit und wundervolle Erfahrung halte.

Meine Empfehlung deshalb für alle, die noch unentschlossen sind, ob sie ebenfalls ein Auslandspraktikum absolvieren sollen: Tut es